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Das Waldröschen

geschrieben von Helmut 
Re: Das Waldröschen
14. Mai 2008 14:38
[besserwissermodusan]Mesalliance[besserwissermodusaus] ... (beer)
Re: Das Waldröschen
14. Mai 2008 16:57
Quote

Aber letztendlich wird aus dem unehelichen Sohn einer Gouvernante eben doch ein Herzog von Olsuna, (und wenn es auch nur ist, damit es keine "Mesalliance" geben wird). Solche "Beförderungen" gibt es z.B. im "Verlorenen Sohn" ebenso.

Aber vermutlich hat May auch hier ganz einfach die Erwartungen und Wünsche der Kolportage-Leser erfüllt.

Helmut
Re: Das Waldröschen
14. Mai 2008 17:41
Eben. Erst den Lesern Gleichheit vorgaukeln und dann doch schnell die Verhältnisse wuieder grade rücken. smiling smiley
("Hach, wär ich doch auch ein Findelkind...")
Re: Das Waldröschen
18. Mai 2008 10:35
Hier meine Rezension:

Quote

Bei meiner "Kolportagetour" bin ich jetzt beim "Waldröschen" angelangt, dem ersten wirklichen Höhepunkt der Wanderung.
Es ist wirklich alles versammelt, was als "Highlights" der Kolportage gilt, Spannung, großartig geschilderte Figuren und auch historische Bezüge.
Einiges was mir so beim Lesen auffiel, möchte ich jetzt hier schildern.

- Einige Kolportage-Stereotypen sind mir aufgestoßen, es sind i.w die "wogende Busen" und das "Lispeln", das bei Frauen immer wieder in bestimmten Situationen auftritt.

- Insbesondere sind solche Situationen, wie auch ungezähmte Gewaltszenen in einer Häufung vertreten, wie es im gesamten anderen Werk Mays nicht gibt. Auf die Diskussion, ob solche Szenen von anderer Hand hineingeschrieben wurden, will ich mich nicht einlassen, da mir da die Kompetenz dazu fehlt. Auffallend ist jedoch in der Tat, dass bei manchen dieser Szenen auch simple logische Fehler in der Handlung zu beobachten sind. Andererseits hat May ja vielleicht ja all dies in die Kolportage geschrieben, was er glaubte sich für z.B. den Hausschatz verkneifen zu müssen.

- Figuren, die sich von den "Quitzows" ab durch Mays Werk ziehen, davon sind auch noch einige übriggeblieben, ich nenne da z.B. den Forstgehilfen Ludwig. Daneben tauchen jetzt vermehrt die bemerkenswerten Wildwestgestalten auf, allerdings die meisten immer noch ziemlich blaß in der Schilderung (André!).
Jedoch gibt es auch schon Höhepunkte hier, wie Geierschnabel, wobei ich besonderes Gefallen an seinem Benehmen gegenüber den deutschen, und insbesondere preussischen Beamten (bis hin zu höchsten Stellen) fand.

- Es gibt auch, ich will es mal "emanzipierte" Frauentypen nennen (obwohl es natürlich so nicht richtig ist), wie z.B. Josefa und Emilia. Allerdings findet die erste ihr Glück nicht, da sie ja zu den Bösen gehört (außer Minna Ey fällt mir da auch noch "Salome" ein, wobei ja Oscar Wildes Schauspiel erst gute zehn Jahre später erschien.) Und Emilia kann ihr Lebensglück erst finden, als sie all den emanzipatorischen Ansprüchen abschwört und wieder "ganz Frau" wird. So war eben damals die bürgerliche Ordnung.

- Die "Allüren" und Handlungen des so schrecklich frühreifen "Curt Helmers" gehen mir manchmal doch zu weit (insbesondere für einen Fünfjährigen). Auch die Reaktionen der hohen Herrschaften (wie z.B. auf die versuchte Gefangenenbefreiung) darauf scheinen mir doch etwas zu "hold" zu sein. (Nicht ganz umsonst hat hier einer der KMV-Bearbeiter dieses "Kind" doch etwas älter zu machen.) (Ich muss jetzt aber doch langsam aufpassen, diese Kolportagegeschichte nicht für bare Münze zu nehmen.)

- Die Guten sind teilweise nicht nur gut, es gibt auch teilweise zwiespältige Figuren und Handlungen, wie z.B. bei Zerba und Rodenstein.

- Biografisches ist natürlich auch viel zu lesen, von dem "Möchtegern"-Ich Dr.(!) Karl(!) Sternau bis hin zu Emma(!) Arbellez. Ersterer ist auch noch ein Neben-Shatterhand (Henrystutzen und Bärentöter); allerdings macht er doch noch zu viele Fehler und lässt sich zu leicht übertölpeln. (Sein 16-jähriges Verschwinden von der Bildfläche ist natürlich auch ein zu großes Manko.)

- Zum Schluss noch zu den historischen Bezügen.
Ich muss gestehen, dass sich nach wie vor mein Mitgefühl mit dem Habsburg-Spross sehr in Grenzen hält (was hat er auch in Mexiko zu suchen, könnte man vollkommen vereinfacht sagen). Und um hier von der konkreten Situation absehen zu können um irgend etwas anders allgemeineres dahinter zu finden, dazu reicht hier mein Abstraktionsvermögen (obwohl dies ja eigentlich Voraussetzung meines Berufes ist) nicht aus. Meine Sympathie liegt hier eindeutig auf der Seite von Juarez.

Zusammenfassend gesagt, gehört für mich das "Waldröschen" eindeutig zu den besten Werken Mays und zu den besten Kolportageromanen im allgemeinen.

Helmut
Re: Das Waldröschen
18. Mai 2008 10:58
Habe das gerade gelesen. Zwei subjektive Anmerkungen: Salome ist doch nicht "böse", habe das nie so empfunden. Sie tötet jemand (bzw. läßt ihn töten), der sie verletzt hat, c'est ca. So sind die Frauen, hätte ich bald gesagt. Sage ich lieber so sind die Menschen. Und das Allgemeine hinter dem Maximilian-Schicksal; schauen wir z.B. mal nach Bagdad. Da wurde doch einer umgebracht, den man vorher aufgebaut und protegiert hatte. Ist doch ganz ähnlich. Es passieren halt immer wieder die gleichen Geschichten. Es geht halt darum daß einer nach Belieben nach oben oder unten katapultiert werden kann, je nach dem, und daß es nicht um "Gut" oder "Böse" dabei geht, sondern auch schon mal zugehen kann wie in der Lotterie. Schönes Wort in dem Zusammenhang. So ist ja auch die Politik, lotterhaft.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 18.05.08 11:02.
Re: Das Waldröschen
18. Mai 2008 11:27
Ich kenne die "Salome" eigentlich gar nicht, deshalb kann ich dazu nichts sagen. Ich habe nur letzthin eine kurze Einführung in die Strauss'sche "Salome" im Radio gehört (Jochannan verweigert Salome den Kuss, sie sorgt dann dafür, dass er geköpft wird) und dabei ist mir spontan die Josefa eingefallen.
Und mit der Geschichte Max werden wir uns auch nicht so schnell einig werden. Das ist aber auch nicht so schlimm, finde ich, denn es wäre ja eigentlich ziemlich langweilig (hier und auch anderswo), wenn alle das Gleiche bei einem Text "herauslesen" würden.

Helmut
Re: Das Waldröschen
18. Mai 2008 12:01
So gesehen gibt es da natürlich eine Parallele zwischen Josefa und Salome. Aber m.E. wirklich nur in der äußeren Handlung. Vom Wesen her wirken die beiden auf mich völlig gegensätzlich und deshalb wäre ich nie auf die Idee gekommen sie zu vergleichen bzw. Übereinstimmungen zu sehen. Ich verstehe aber was Du meinst.
Re: Das Waldröschen
25. Mai 2008 07:15
Weiß jemand, was das für eine patentierte, amerikanische Vorrichtung ("Patentschraube"winking smiley ist, mit der Geierschnabel in Berlin die Schlösser verstopft?



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.05.08 07:22.
Re: Das Waldröschen
25. Mai 2008 09:52
Ich vermute, dass sind so ähnliche Geräte, die es früher hier auch gegeben hat.
Das war so eine Art einzelner Schließzylinder von der Größe, dass man sie in Türschlösser stecken konnte. Wenn man diese Schließzylinder, dann "abschloss", war das "normale Türschloss" verstopft und man konnte keinen Schlüssel (oder eben auch Nachschlüssel oder Dietrich) mehr hineinstecken. Ich hoffe, dies war einigermaßen verständlich.
Auf diese Art und Weise konnte man "normale Schlösser" zu "Sicherheitsschlössern" auf und umrüsten.

Helmut
Re: Das Waldröschen
25. Mai 2008 12:54
Danke schön. Wieder was gelernt. smiling smiley
Re: Das Waldröschen
25. Mai 2008 17:26
Nahezu uinglaublich machomäßig finde ich es ja, dass Gasparino Cortejo Clarissa "liebes Kind" nennt. Die Gute ist zum Zeitpunkt dieser Ansprache bereits über 60 Jahre alt.
Re: Das Waldröschen
25. Mai 2008 17:34
JennyFlorstedt schrieb:
-------------------------------------------------------
> Nahezu uinglaublich machomäßig finde ich es ja,
> dass Gasparino Cortejo Clarissa "liebes Kind"
> nennt. Die Gute ist zum Zeitpunkt dieser Ansprache
> bereits über 60 Jahre alt.

Zur damaligen Zeit war dieses Machogetue völlig normal, liebes Kind(dumdidum).

grinning smiley

Markus
Re: Das Waldröschen
25. Mai 2008 17:43
Sie (Achtung doppeldeutig) kann ja noch froh sein, daß er liebes Kind gesagt hat ...

grinning smiley



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.05.08 17:43.
Re: Das Waldröschen
25. Mai 2008 17:50
Oder liebes Mädchen(yes)
Re: Das Waldröschen
25. Mai 2008 20:01
Neulich beim Einkaufen, sagt doch die Verkäuferin "junger Mann" zu mir.
Dieses (bei mir mittlerweile seltener werdende) Erlebnis, ist mir jetzt hier so spontan eingefallen.


Helmut
Re: Das Waldröschen
27. Mai 2008 21:20
Wenn ich wohin komme und ein deutlich jüngerer Mann begrüßt mich mit "Hallo, junge Frau", dann könnt ich den.. - könnt ich dann. Diese Anrede empfinde ich als total albern. Und machoman.

Aber Clarissa hat es bestimmt gut getan. grinning smiley

andrea



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.05.08 21:21.
Re: Das Waldröschen
28. Mai 2008 05:12
Hallo schöne Frau

Ich bekomme fast täglich das "junger Mann" zu hören, so regelmäßig, daß ich oft schon gar nicht mehr darauf achte.
Nun ja, ich arbeite aber auch in einem Altenheim!winking smiley
Gruß
Reimund
Re: Das Waldröschen
28. Mai 2008 06:35
@Andrea

Der junge Mann kann doch nichts für die Tatsachen, die er höflich-augenzwinkernd zu verschleiern versucht

winking smiley

(die haben mich geärgert heute morgen woanders, dann bin ich gleich richtig fies)

grinning smiley

(und der Reimund sieht doch auf den ersten Blick auch so aus wie Omi sich ihren Lieblingsenkel immer vorgestellt hat, ist doch klar daß die nicht jung-und-originell-wirken-wollender-Mann o.ä. sagen, wär' auch zu lang)

(Den Smiley den ich jetzt bringen möchte gibt's gar nicht)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 28.05.08 07:31.
Re: Das Waldröschen
28. Mai 2008 13:50
andrea schrieb:
-------------------------------------------------------
> Wenn ich wohin komme und ein deutlich jüngerer
> Mann begrüßt mich mit "Hallo, junge Frau", dann
> könnt ich den.. - könnt ich dann. Diese Anrede
> empfinde ich als total albern. Und machoman.

Früher freuten die Damen sich über solche und ähnliche Komplimente. Heute empfinden sie es als Beleidigungconfused smiley.

Was für eine schlimme Sache die Emanzipation doch isteye rolling smiley.

winking smiley

Markus
Re: Das Waldröschen
31. Mai 2008 09:33
Bemerkenswert ist, fand ich, dass der Wahnsinn von Kaiserin Charlotte auf Gift zurückzuführen ist, das ihr direkt oder indirekt von Pater Hilario verabreicht worden ist.

Zum Zeitpunkt des Erscheinens des Romans (auch auch noch bei Erscheinen der späteren Ausgaben) lebte die Ex-Kaiserin noch - in geistiger Umnachtung.
Wäre mal interessant zu erfahren, ob sie von Münchmeyer-Abonnenten Leserbriefe erhalten hat, die auf den Verursacher, Hilario, hinweisen. smiling smiley
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