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Der Weg zum Glück

geschrieben von Helmut 
Re: Der Weg zum Glück
23. Oktober 2008 09:05
Rüdiger schrieb:
-------------------------------------------------------
> > Einer der Türme der Stadtmauer ist als Wohnung
> und Atelier von der Stadt Nürnberg vermietet
>
>
> Einige Lokalitäten in unmittelbarer
> Stadtmauer-Nähe sind offenbar auch noch ganz
> anders vermietet, jedenfalls erinnere ich mich,
> dort mal ganz harmlos und nichtsahnend
> spazierengegangen und aus einem Fenster heraus
> angesprochen worden zu sein ...
>
> winking smiley

"angesprungen" (bildlich gemeint) könnte ich ja noch verstehen, aber so ...confused smiley

(Dort, an der Frauentormauer, die Du wahrscheinlich meinst, ist jetzt auch das "Neue Museum" für moderne und zeitgenössische Kunst.)

Helmut
Re: Der Weg zum Glück
23. Oktober 2008 09:15
Ich meinte ja nicht angesprochen im Sinne von angesprochen (obwohl die gute Frau durchaus ansprechend aussah, wenn ich mich recht erinnere, es ist auch schon länger her ...), sondern einfach im ursprünglichen Wortsinn (da sieht man's mal wieder, Freund Avatarius, der Sinn macht die Musik ...) Und der Thurmspitze wohnt in der Nähe ? Der Mann soll malen (oder bildhauern oder was weiß ich) und sich nicht ablenken lassen ...

winking smiley



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 23.10.08 09:16.
Re: Der Weg zum Glück
23. Oktober 2008 09:29
/*off topic
Das ist mir schon klar, lieber Rüdiger. Ich weiß doch, dass sich dort "hinter der Mauer" (so hieß/heißt die Gegend im nürnberger Sprachgebrauch) das (für eine Halbmillionenstadt kleine) "Rotlichtviertel" befindet.
Ich finde es übrigens richtig gut, dass die Stadt Nürnberg dort mitten hinein das angesprochene Museum gebaut hat.
Das ganze ist übrigens an der Südseite der Stadtmauer, der vermietete Turm hingegen an der Nordostseite und damit auch mehrere km entfernt. Damit dürfte die Gefahr des "Ablenkens" vermieden sein.

Helmut
Re: Der Weg zum Glück
23. Oktober 2008 09:49
Daß Du es verstanden hattest war doch klar ... ich dachte Du meintest (scherzhaft) es könne nur angesprungen gemeint sein weil (halbwegs scherzhaft) es nicht ansprechend gewesen sein könne.

Quote

Damit dürfte die Gefahr des "Ablenkens" vermieden sein.

Offenbar nicht ... wer weiß wo der Mann in seinen Gedanken ist ... Aber das gibt sich. Laß ihn mal in mein Alter kommen.

grinning smiley

Nun aber mal gut hier;

"Frömmigkeit, Fleiß, Liebe und Treue, Treue vor allen Dingen dem Heerde, der Familie, dem Vaterlande und dem Herrscher, das ist der einzige und wahre Weg zum Glück!"

winking smiley
Re: Der Weg zum Glück
31. Oktober 2008 10:50
Weiter im Text:

Dies
Quote

Und nachgemacht ist er auch nicht. Die Leni braucht sich die Brust nimmer auszustopfen mit Watten und Herzbetterln und Fetzen wie eure Damerln, welche die Waden haben wie der Storch und den Busen wie eine Kletterstangen. Die ist halt von guter Art.
zeigt wohl deutlich den "Geschmack Mays" (was sind eigentlich "Herzbetterln"?), Emma entsprach wohl auch eher dieser Gestalt.

Richard Wagner tritt dann auch noch in Erscheinung, später auch noch Franz Liszt. Mich würde da interessieren, ob damals allgemein bekannt war, dass Wagner der Schwiegersohn Liszts war, und ob das dem Verschweigen anheim fiel, da ja Cosima eine un-/außereheliche Tochter Liszts war. Erwähnt wird es hier jedenfalls nicht, und Cosima taucht ja auch nicht auf. Mir fällt dazu auch immer wieder ein, dass Cosima den Tod ihres Vaters mehrere Tage geheim hielt, um die gerade stattfindenden Wagner-Festspiele (Wagner war einige Jahre vorher gestorben) nicht zu "stören".
(Da gibt es eine erstaunliche Parallele in der Musikwelt, denn Sergej Prokoffief hatte das "Pech" am gleichen Tag wie Josef Stalin zu sterben, und dies wurde auch mehrere Wochen geheimgehalten, um die Trauerfeiern des Georgiers nicht zu stören.)
Aber zurück zum WgG, die auftretenden Prominenten, sind lauter literarische Kunstfiguren, denn keiner von denen entspricht auch annähernd dem historischen Vorbild außer dem Aussehen. In Wirklichkeit waren - so viel ich weiß - alle drei bisher aufgeführten ziemliche "Kotzbrocken".
Besonders "schlimm" finde ich die nicht im mindesten angemessene Überhöhung Ludwigs, die an manchen Stellen allerdings fast satirisch wirkt. Ob er das wohl beabsichtigte? Andererseits entspricht dies leider der Darstellung deutscher gekrönter Häupter bei May.

Der Anton ist mittlerweile "Tabuletkrämer" geworden, dies ist eine Eindeutschung des franz. "Colporteurs"; und so schwankt er in seinem Verhalten gegenüber Leni auch zwischen "Münchmeyer" und "May".
An Münchmeyer und sein Verhalten gegenüber Emma erinnert auch
Quote

Dieser Erzhallunk und Dirndlmeier!"
, denn warum sonst sollte jemand der insgeheim Frauen nachstellt, ausgerechnet Dirndlmeier genannt werden.

(Fortsetzung folgt)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 31.10.08 10:54.
Re: Der Weg zum Glück
31. Oktober 2008 11:20
Ach, übrigens steht da auf Seite 369 des Olms-Reprints
Quote

Es war weder die deutsche Current= noch die gebräuchliche latein=englische Schrift.
May wusste selbst also sehr gut wie seine Schreibschrift hieß winking smiley
(die Bezeichnung "latein-englisch" für die jetzt übliche Schreibschrift habe ich allerdings auch noch nie gehört.)

Dann kommt noch mehrfach die sächsisch mundartliche Bezeichnung "gegichen" und "gichen" für "gegeigt" und "geigen" vor.


Quote

"... Weißt es will gar mancher gelehrte Doctorn und Professern ein Gedichtl machen und bringts doch nicht fertig. ..."
"... Aberst es kommt da nimmer drauf an, ob man ein Professern ist oder ein Steinklopfer. Wenn das richtige Dichten drinnen steckt, so kommts auch richtig heraus ..."
(Dialog Leni/Fex)
Wie wahr, wie wahr!

Quote

"Die alte Bettlerin, Gedichtet und componiert vomm 'Fex', gesungen von Signora Mureni."
Das Wort Fex war fett gedruckt. Die Buchstaben begannen vor seinen Augen zu schwimmen. Er spürte die Wirkung jenes süßen Rausches, den ein Jeder fühlt, der seinen Namen zum ersten Mal gedruckt sieht, ...
... wie wohl auch Karl May einige Jahre vorher.


Das anschließende Konzert Lenis, Sepps und Fexens ist allerdings (für meinen Geschmack) schon wieder zu "dick" aufgetragen und zu "schwülstig" geworden, dass (für mich) die wohl beabsichtigte Wirkung ins Leere geht.


Quote

"... Ich zieh die Schuhen eine Streck vorher aus und lauf auf allen vieren hin, so wie ichs mal lesen hab in einem Buch, in welchem die wilden Indianer sich an ein weißes Haus schleichen thaten."
(Seite 515)
Ob das Buch wohl von Karl May war? winking smiley


Für die anschließende Prügelszene Fex/Sepp - Fingerlfranz konnte er ja wohl auch einiges aus seiner eigenen leidvollen Erfahrung entnehmen.


Noch ein Wort zum bairischen Kunstdialekt. Wenn man sich da einigermaßen eingelesen hat, ist es gar nicht mehr so fürchterlich schlimm, es ist ja auch nicht alles vollkommen falsch. Staberow, der dann später für Fischer die Kolportageromane bearbeitet hat, war in dem Dialekt offenbar auch nicht besser zuhause, er hat ja schließlich aus dem Wurzelsepp den "Wurz'n Sepp" gemacht.


Helmut



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 31.10.08 11:23.
Re: Der Weg zum Glück
31. Oktober 2008 14:55
(Liebe Forumspolizei, die Strafzettel bitte stecken lassen; ich habe Helmut bereits vorab informiert, dass ich in Sachen seines Beitrags zunächst bzw. teilweise ein wenig anderer Meinung bin, das hat aber freilich nichts zu tun mit Jetzt hauen wir uns, Jetzt spielen wir Krieg und dergleichen, sondern geht nur um die Sache. Wie immer, könnte man fast sagen. Aber da ich nach einigen größeren und kleineren Merkwürdigkeiten im Stiftungsforum im Bewusstsein der Forengemeinde derzeit vermutlich wieder mal fest in der Böse-Buben-Schublade stecke, sage ich das mal vorsichtshalber vorab dazu)

Warum soll Cosima durch eine Todesnachricht zur Unzeit die Festspiele ‚stören’ ? Das wäre sicher auch nicht im Sinne des Verstorbenen gewesen. Er hat nichts mehr davon, ob die Welt es nun gleich oder ein paar Tage später erfährt, und was sind schon Formalitäten … Das ist doch heute noch üblich, dass die Benachrichtigung über einen Todesfall, aus welchen Gründen auch immer, um einige Zeit verschoben wird.

Kotzbrocken, je nun … da muß ich noch mal mit Flensburg und Kapstadt kommen; wenn es in Flensburg oft regnet, heißt das ja nicht, dass es da immer regnet, es wird sicher gelegentlich auch aufs Erfreulichste die Sonne scheinen, und in Kapstadt ist auch nicht alles immer so sonnig wie es dem oberflächlichen Betrachter vielleicht scheinen mag. Sperrige, manchmal verteufelt unangenehme Menschen ausschließlich in die Kotzbrocken-Schublade einzutüten (das hübschere „einzuladen“ würde vermutlich nur als unbeholfene Stilblüte wahrgenommen anstatt als ganz bewusst gewählt, also nehmen wir lieber das falsche Wort) hieße, es sich zu einfach machen. Aber die Leute machen es sich halt gern einfach, das werden wir nicht ändern. Aber zumindest darauf hinweisen kann man mal. Also mir persönlich ist ein Wagner, der zweifelsohne auch ein A…….. sein konnte, wesentlich lieber als zehn langweilige Gutmenschen. Der oder das A. ist (in dem Fall) interessanter. Und lieber ein ehrlicher Kotzbrocken als ein höflich lächelnder falscher Fuffziger. (Aber die Geschmäcker sind verschieden. Schätzungsweise (mindestens) 90 % der Leut’ bevorzugen die Letzteren („Ja deeer ist aber nett“ …))

Und Ludwig „schlimm“ überhöht ? Naja … da hör’ Dir mal den Eisermann an mit seinem Ludwig-Abend … an dessen Ende lässt er durchblicken, dass Monarchien sozusagen auch nicht unbedingt das Schlechteste sein müssen … Übrigens sehr empfehlenswert, die Eisermann-Abende. Wer mal Gelegenheit hat, sollte sich das mal geben. Auch wenn man in Sachen Monarchie nun ganz anderer Ansicht sein mag, allein was das Sprachliche und Darstellerische anlangt ist der Mann schon großartig.

Im augenzwinkernden „Dirndlmeier“ spiegelt sich ja m.E. auch wieder die Sympathie, die May m.E. (zweimal m.E., watt mutt datt mutt) lebenslang (ja, trotz „Schundverlag“, Pollmerstudie u.a.) für Münchmeyer empfand, trotz allem halt. Wie sagt man in Bayern, a Hund is er schoo …

Das mit dem Gedrucktsehen des Namens ist ja auch so eine der Fallen … (Karl May ist offenbar auch darauf hereingefallen), eines dieser vermeintlich lohnenswerten Ziele, die dann doch schnell zerplatzen bzw. sich auflösen (da gab es mal dieses ‚Hanse’-Spiel für Heimcomputer; wenn man da nach dreiundzwanzig Stunden oder so endlich Bürgermeister geworden war, vergilbte kurz darauf die Ernennungsurkunde auf dem Bildschirm vor des Betrachters Augen …) oder auch ihre Ungeeignetheit, wirklich zu befriedigen, erkennen lassen, wenn man sie erreicht hat … Was bringt es denn ? Nichts. Und was ist es denn schon, das bisschen Individuation … eigentlich kann man froh sein wenn man sie wieder los ist. Dazu muß man gar nicht körperlich sterben, sondern sich nur bewusst werden, dass man sozusagen ein Tropfen im Meer ist.

Das Konzert ist absurd, klar. Es ist nicht immer erkennbar wann May etwas ernst meint und wann nicht, meistens mischt es sich ja auch. Gebrochen ist es nahezu immer. Und mal überwiegt mehr das eine und mal mehr das andere. Und gelegentlich kippt es. Ich fürchte das Konzert hat er ernstgenommen. (Andererseits: das was er da versucht zu beschreiben (in dem Fall ist es ihm wirklich etwas verunfallt), das gibt es ja. Kommt an anderer Stelle ansatzweise schön herüber, beim Anton, vinum bonum usw. (obwohl es da mehr um die Intensität und Überzeugungskraft geht als um Rührung). So wie es die Fernsehwerbung in Sachen Herrn Potts suggeriert, kann man ja – mittlerweile leider sehr vereinzelt – tatsächlich Momente im Theater erleben, wo es einen „reißt“, weil es einfach total echt ist und einen voll berührt. In Detmold habe ich das mal erlebt 1986, ein Stück das auf der Krebsstation spielte, da saßen ca. 50 Leute im Studio und von denen haben fast die Hälfte geheult, oder in Bayreuth 1976 bei der Todesverkündigung in der „Walküre“, da soll es auch heftig abgegangen sein im Zuschauerraum. Oder bei „Anatevka“ in Köln (weil es da kein Operettentrallala war sondern deutlich spürbar wirklich um Leben und Tod ging), da saß schräg vor mir so ein sehr gutsituiert, männlich-hart und konservativ wirkender im schwarzen Anzug, schwarzer Hornbrille und Meckihaarschnitt, und als ich irgendwann mal zu ihm rüberguckte, sah ich ihn die Tränen wischen … das hat mir gefallen.)
Re: Der Weg zum Glück
31. Oktober 2008 15:28
Also:

Quote

Warum soll Cosima durch eine Todesnachricht zur Unzeit die Festspiele ‚stören’ ? Das wäre sicher auch nicht im Sinne des Verstorbenen gewesen. Er hat nichts mehr davon, ob die Welt es nun gleich oder ein paar Tage später erfährt, und was sind schon Formalitäten … Das ist doch heute noch üblich, dass die Benachrichtigung über einen Todesfall, aus welchen Gründen auch immer, um einige Zeit verschoben wird.

Ich vergaß zu erwähnen, dass Liszt in Bayreuth (mehr oder weniger) in den Armen seiner Tochter starb; und sich dann einfach abzuwenden und dafür zu sorgen, dass die Wagner-Festspiele nicht in Gefahr geraten, sondern weiterhin finanziell erfolgreich sind, dazu gehört schon ein gerüttelt Maß an Gefühlskälte.
Ob das im Sinne Richard Wagners war ist m.E. fraglich, der ja immerhin von seiner einstigen revolutionären Gesinnung so viel "herübergerettet" hat, dass er in seinem Testament bestimmte, seine Musik solle auch der "arbeitenden Bevölkerung" zugute kommen. (Deshalb gibt es übrigens auch heute noch ein gewisses Kontigent der Festspielkarten über den DGB zu beziehen.)

Quote

Also mir persönlich ist ein Wagner, der zweifelsohne auch ein A…….. sein konnte, wesentlich lieber als zehn langweilige Gutmenschen.
Da denke ich, würde die vielen seiner Gönner (wie z.B. Wesendonck und Hans von Bülow), von deren Geld er teilweise lebte, und mit deren Frauen er zum Dank dafür sich verdrückte, völlig anderer Meinung sein. Das meinte ich in diesem Fall mit Kotzbrocken; allerdings würde ich das selbst etwas einschränken, denn siehe oben.

Quote

Und Ludwig „schlimm“ überhöht ? Naja … da hör’ Dir mal den Eisermann an mit seinem Ludwig-Abend … an dessen Ende lässt er durchblicken, dass Monarchien sozusagen auch nicht unbedingt das Schlechteste sein müssen … Übrigens sehr empfehlenswert, die Eisermann-Abende. Wer mal Gelegenheit hat, sollte sich das mal geben. Auch wenn man in Sachen Monarchie nun ganz anderer Ansicht sein mag, allein was das Sprachliche und Darstellerische anlangt ist der Mann schon großartig.
Was so die "gekrönten Häupter" anbelangt, da kann ich eben einfach nicht aus meiner "Anarchistenhaut". So eine völlig überzogene Lobhudelei kann ich einfach nicht verkraften, mag sie sprachlich (oder sonstwie) auch noch so genial sein. Und ich sehe auch keinerlei Grund oder Notwendigkeit, mich da zu ändern.
Und das führt dann auch zum nächsten Punkt, dem Konzert; aus genau diesem Grund, finde ich solche Gedichte und Lieder, wie "mein König hat an mich gedacht" schlicht und ergreifend widerlich.
Und dann ausgerechnet auch noch Ludwig II, der durch seine Prunksucht (nein nicht für sich, sondern für die vielen Schlössern) sein Königreich fast in den Bankrott getrieben hat. Diesen Bankrott hat dann übrigens Bismarck (ausgerechnet der) abgewendet, in dem er sich die Mitwirkung Bayerns am deutsch/französischen Krieg und die Zustimmung Ludwigs zur Kaiserkrönung Wilhelms teuer (zu teuer) erkauft hat. (D.h. Neuschwanstein und die anderen Schlösser Ludwigs II gehören eigentlich "rechtmäßig" zu einem großen Teil Preußen.)

Helmut



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 31.10.08 15:32.
Re: Der Weg zum Glück
31. Oktober 2008 16:22
Wenn sie ihm irgendwelchen medizinischen oder menschlichen Beistand wegen der Festspiele in geringerem Maß geleistet hätte, könnte man darüber nachdenken … aber nach dem Ableben finde ich es in Ordnung. Und: Im Sinne Liszts, meinte ich, nicht Wagners.

Ach immer so diese moralischen Wertungen … mit denen habe ich es nicht so. Wenn der Eros stärker ist als Dankbarkeitsverpflichtungen … „Sind sie zu stark, bist du zu schwach.“ Fishermans Friend. Wie sagte Eduard Geyer, wenn die Bundesliga ruft, muß man gehen.

Und ob die DGBler immer so begeistert sind mit Wagner-Aufführungen, können wir auch mal dahingestellt sein lassen …(schicken wir sie lieber nach Bad Segeberg und Elspe, da werden sie wenigstens gut unterhalten; ja, manchmal habe ich Lust am Stänkern, ich gebe es zu).

Mit der Anarchistenhaut, warum sollte es da einen Grund das zu ändern. Jeder wie er mag und es für ihn richtig ist bzw. er es für sich als richtig empfindet. Ich selber habe weder etwas gegen Linke noch gegen Monarchisten, da ist nun mein Toleranzbereich wieder sehr weit, beim einen (ist er) hier (weit), beim andern da.
Re: Der Weg zum Glück
31. Oktober 2008 16:44
Quote

Und ob die DGBler immer so begeistert sind mit Wagner-Aufführungen, können wir auch mal dahingestellt sein lassen …(schicken wir sie lieber nach Bad Segeberg und Elspe, da werden sie wenigstens gut unterhalten

Mitglieder des DGB's gibt es übrigens (so viel ich weiss) genau 7, nämlich die Einzelgewerkschaften. Und die Mitglieder dort in einen Topf (Schublade!) zu werfen ist natürlich auch ziemlich fahrlässig, z.B. gehöre da auch ich dazu, ich bin seit über 30 Jahren Mitglied der IG Metall (trotz (oder gerade wegen?) der (voll-)akademischen Ausbildung).
Daher weiss ich dass, wegen der DGB-Karten. Die werden dort teilw. auch als Anerkennungsprämien verteilt und doch größtenteils auch als solche anerkannt.
(Allerdings, wenn ich mir so vorstelle, so ein richtiger Malocher muss sich da 6 Stunden in einen Sitz im Festspielhaus zwängen, ...)


Aber noch eine zusätzliche (historische) Anmerkung zum Kinni (Ludwig II). Diese seine Verschwendungssucht führte auch nach der Finanzspritze durch Bismarck dazu, dass Bayern bald wieder pleite war. Das war der Grund für das Bestreben, ihn durch Entmündigung zu entmachten. Und durch seinen Nachfolger, dies war der Prinzregent Luitpold, der für den erst 3-jährigen Ludwig III die Macht übernahm, begünstigt durch die "Gründerjahre" begann dann der rasante wirtschaftliche Aufstieg Bayerns i.w. durch Industrialisierung (i.w. im schwäbischen Augsburg und im fränkischen Nürnberg, denn das bairische München sollte natürlich sauber bleiben).

Helmut
Re: Der Weg zum Glück
01. November 2008 07:53
Ach und übrigens, dies mit dem Wagner, hat von meiner Seite überhaupt nichts mit Moral zu tun. Mir ist eben in solchen Fällen der "unterlegene Leidende" einfach näher als der "starke Sieger".
Wie mir überhaupt Mitleid oder (die heute aus der Mode gekommene) Solidarität vielfach näher liegt als (grenzenlose) Bewunderung.

Helmut
Re: Der Weg zum Glück
01. November 2008 08:02
Und noch mal übrigens zu Tabuletkrämer <-> Colporteur.

Meine französische Schwägerin, mit der ich mich letzthin darüber unterhielt, sagte mir, dass sie den Begriff Kolportageroman nur aus der deutschen Sprache her kennt. Im französischen bedeutet colporteur auch heute noch nichts weiter als Hausierer.

Helmut
Re: Der Weg zum Glück
04. November 2008 10:34
Weiter Anmerkungen:

(es dreht sich um den Kasten des "Tabuletkrämers)

"Nein verschenken oder verkaufen thu ich ihn nicht. Ich werd ihn mir aufheben zum Andenken, daß ich mal ein Tabuletkramer gewest bin. Und wenn es fehl schlägt und ich doch vielleicht kein Sänger werd, so greif ich halt wieder zum Kasten und fang das Hausieren ganz von Neuem an.

(Seite 555, hier wie überall im Olms-Reprint)

Ja ,da war er (May) sich sicher, dass er im schlimmsten Fall immer wieder zurück zur Kolportage konnte (und damit seinen Lebensunterhalt verdienen konnte), auch wenn seine anderen Pläne schief gehen sollten. Das war dann allerdings nicht nötig, denn der WzG war der letzte Kolportageschinken.

Das folgende Kapitel "Der Silberbauer" könnte eigentlich auch zum "Verlorenen Sohn" passen. Auch Anklänge zu den (besten) Dorfgeschichten sind durchaus festzustellen. Und es spielt in "Hohenwald", da klingt wohl nicht unabsichtlich "Hohenstein" mit.
Die Hauptfigur hier, der Lehrer Max Walther ist deutlich als eine "Spiegelung Mays" wahrnehmbar.


"Hast wohl mal einen kleinen Fehlern begangen im Schulamt etwa?"
"Wie kommst Du zu dieser Frage?"
"Weil diese Stelle eine sogenannte Strafstellen ist. Wer zu uns kommt, der steht bei seinen Vorgesetzten nicht gut angeschrieben."

(S. 562)


"Ich weiß, wie trockenes Brot schmeckt und der Stock dazu, wenn man einen brutalen (Pflege)vater hat. ich habe arg gehungert und gekummert, um Das zu werden was ich bin. Aber der liebe Herrgott hat auch mir geholfen. Und gerade weil ich meine Hunger- und Kummerzeit nie vergessen werde, fühle ich mich als Bruder Aller, die mühselig und beladen sind."

(S. 585, die zusätzlichen Klammern sind von mir)

Das ist wohl deutlich genug.

Die Beschreibung des Treffens Max-Martha (S. 605) ähnelt sehr dem, was May über sein erstes Zusammentreffen mit Emma z.B. in "Mein Leben und Streben" schrieb.

Und auch bei ihr, der Silbermartha ist die Ursache ihrer Fehler klar,

"..., denn ich hab --- ja keine Mutter mehr!"

(S. 613)




"Wars eine griechische oder eine römische?"
"Nein", fiel da der Alte ein, indem er mit der Hand auf seine Zeitung schlug. "Es war eine Nürnberger Nasen."

(S. 644)

winking smiley


Und übrigens auf S. 698 kann man die Sage der "heimatlosen Fanna" nachlesen, und 2 Seiten später folgt dann das dazugehörige Gedicht.

Exotik giebts auch andeutungsweise, denn die beiden Bösewichter hielten sich zeitweise in der Türkei auf.

Helmut



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.11.08 10:35.
Re: Der Weg zum Glück
05. November 2008 17:44
Und um das Kapitel abzuschließen:

"Odern gar der alte Patern, unser Esel?"

(S.711)
Ein herrlicher Druckfehler winking smiley



"... Besonders das Schulmeistern. Das thut groß und dick, und wanns zum Treffen kommt, so fressens Löschpapier und saufen Klazerintinten dazu."

(S. 724)
Was mag wohl Klazerin sein?
Ich denke, es wird wohl Glyzerin gemeint sein, dass man tatsächlich zur Herstellung von Tinte verwendet(e).
Es ist schon erstaunlich, was damals an Kenntnis vorausgesetzt wurde (oder werden konnte), dass dies sogar "verballhornt" noch verstanden werden konnte.


"Bärbel, ist denn Jemand droben bei dem Herrn Ludewigen?"
"Nein."
"Er redet doch mit Jemand!"
"Es ist Niemand droben."
"Und doch muss jemand droben sein, mit welchem er sich gar zanken thut. Er brüllt gar laut."

(S. 733)
So lautet ein Dialog derer, die dem Hr. Ludwig (Na, wer wird das schon sein?) beim lauten Lesen von der Schutzgeist, Drama in vier Aufzügen von dem Lehrer Max Walther, der (natürlich) nebenbei ein großartiger Dichter ist.
So ähnlich soll es auch bei May zugegangen sein, wenn er an seinen Romanen schrieb. Auch da gab es Dienstboten, die an seinem Verstand zweifelten.


Auf Seite 752 wird der "Unfall" des Silberbauern geschildert. Hier ist die Parallele zum "Dukatenhof" der erzgeb. Dorfgeschichten "mit Händen greifbar".




"Sie ist brav! Sie liebt mich! Sie hat mit ihrem Vater, mit der Heimat, mit Allem gebrochen, weil sie auf mich gehört hat!"

So Max Walther über Martha (Seite 756); auch das könnt wiederum eine Reminiszenz über das Verhalten Emmas May gegenüber sein, als sie ihm gegen den Willen des (Groß-)vaters nachreiste.
Dies alles bisher hat May übrigens noch vor dem Letzten Kapitel der "Deutschen Herzen Deutschen Helden" geschrieben. Daher ist durchaus verständlich, dass er hier über sein Verhältnis mit Emma noch anders dachte und schrieb.



Es folgt jetzt die Szene des Wiedersehens Finkenheiner mit Anna, die wirklich anrührend und herzergreifend geschildert ist.

Helmut



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 05.11.08 17:49.
Re: Der Weg zum Glück
12. November 2008 11:15
Bevor ich jetzt zum nächsten Kapitel komme, einige allgemeinere Bemerkungen:

Auch ein Reiz dieses Romans ist für mich, dass hier kein absoluter Superheld à la Steinbach oder Sternau vorkommt. Die "Chefrolle" ist auf mehrere Schultern verteilt, wie z.B. Max Walther u.a., häufiger aber der Wurzelsepp. Manchmal hat auch "dera Ludwig" das große Sagen (und Schalten und Walten).
Bestens gelungen ist ihm (auch schon bis hier) der Wurzelsepp, der auch noch so nebenbei ein Gastspiel als "bairischer Hobbel-Frank" im "Weg zum Glück" gibt.


6. Kapitel : "Die Sirene"

Da wird zum einen die Geschichte der Herkunft Maxens erzählt.
Dabei handelt es sich i.w. zwar um altbekannte Kolportage Versatzstücke, aber May zeigt eben hier seine mittlerweile großartige Meisterschaft darin, diese anzuwenden. Das hat er mittlerweile vollkommen "im Griff", diese Kolportagetechniken. Hier gibt es auch nur solche der "einfacheren Art", es fehlen hier die sonst so häufig vorkommenden Kindsentführungen durch Angehörige einer mobilen Minderheit.
Die Geschichte von Maxens Mutter finde ich großartig geschildert und ich finde es auch besser als ähnliches im "Waldröschen".

In einem weiteren mit diesem verwobenen Erzählstrang taucht dann Anton wieder auf nach seiner Sängerausbildung. Meiner Meinung nach hat er allerdings nicht verdient, dass er plötzlich so negativ geschildert wird.

Einige Zitate, die mir so aufgefallen sind:


"Und wie heißt er? Warschauer? Allerdings kein sehr distinguirter Name. Klingt fast wie ein Jude."

(S. 795)
Hm! Hm!

Während hingegen

"Welch eine Dummheiten! Mensur! Kann man nicht lieber gleich sagen: Sie fangen eine Rauferei oder Keilereien an?"

mir aus der Seele gesprochen ist.

Auch hier gibt es wieder, wie in anderen Mayschen Kolportageromanen, jemanden, der durch eine Hieb auf den Kopf scheinbar "irre" geworden ist, nämlich den "Feuerbalzer".


Da (auf S. 840) das "Fanna"-Gedicht nochmals zitiert und Max Walther zugechrieben wird, ist es wohl von May selber.


"Ein Mann, welcher mehr von sich hält, als er darf, begeht einen großen Fehler. Einen noch größeren Fehler aber begeht Derjenige, welcher feig verschweigt, was er zu leisten vermag."

sagt vollkommen zu recht Max Walther, bevor seine große "Deklamationsszene" (aus dem Stegreif) beginnt. Solche Szenen wird es wohl auch bei May gegeben haben, er hat sich ja auch zeitweise u.a. auch dadurch sein Leben zu fristen versucht.


Er hatte Kenntnisse verrathen, wie man sie selten bei einem Lehrer sucht, und eine poetische Begabung, welche eher mit dem Worte genial als mit dem Ausdruck talentvoll zu bezeichnen war.

So schreibt er über seine "Selbstspiegelung".



auf das Angenehmste enttäuscht

(S. 963)
Solche (eigentlich) schiefen Bilder gibts öfter bei May zu lesen.


Zu Lernen gibt es z.B. noch, dass "Kauen auf Kaffeebohnen" den Mundgeruch vertreibt und schönen Atem gibt.


Aber was sind

Stiefelpantoffel

(S. 913)


Helmut
Re: Der Weg zum Glück
12. November 2008 12:00
Quote

auf das Angenehmste enttäuscht

(S. 963)
Solche (eigentlich) schiefen Bilder gibts öfter bei May zu lesen.

Pardon, da ist nichts schief.

Ent-täuscht, ganz wertungsfrei, also unabhängig davon ob die Täuschung bzw. ihre Aufhebung als angenehm oder als unangenehm empfunden wird. Deshalb schreibt er ja "auf das Angenehmste", um damit eben auch nebenbei mitschwingen zu lassen, daß ihm bewußt ist, daß man das Wort sonst eher in anderem Zusammenhang zu benutzen pflegt.

Quote

Zu Lernen gibt es z.B. noch, ...

Man kann allerhand lernen bei Karl May. (Gelegentlich hilft auch der Gang zum Zahnarzt, aber wie es diesbezüglich im Gesundheitswesen im Bayern Ludwigs II bestellt war, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht gibt's ja dazu schon irgendwo einen Artikel in KMG-Heften oder Büchern. Ansonsten, Freiwillige vor. (Mal ganz davon abgesehen daß Karl Mays Texte weder (z.B.) im China [zu Zeiten] Kaiser Wilhelms noch in Ludwigs Bayern spielen, auch wenn es vordergründig den Anschein haben mag, sondern eigentlich ortsunabhängig und zeitlos sind))

winking smiley



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.11.08 12:09.
Re: Der Weg zum Glück
12. November 2008 14:34
"Enttäuscht" wird - so viel ich weiß - im allgemeinen Sprachgebrauch (und nicht dem Wortstamm nach) nicht wertfrei sondern eher negativ verwendet. Das "wertfreie" Adjektiv wäre für mein Gefühl eher "überrascht". Daher ist dies mindestens ein halbschiefes Bild. Im übrigen finde ich - ganz persönlich - die Verwendung "schiefer" und "halbschiefer" Bilder bei May einfach großartig.

Wenn Du im übrigen dies mit den Kaffebohnen nachgelesen hättest, wüsstest Du vielleicht wie ich meinen Satz gemeint habe, und würdest vielleicht Deine für andere Beiträge in anderen Foren gemünzten Sätzen nicht hier anbringen. Es schadet zwar nichts (weder mir noch Dir winking smiley ), ist aber wegen des fehlenden Zusammenhanges nicht mehr so ganz verständlich. Und im übrigen spielt der "Weg zum Glück" zumindest vordergründig durchaus im Bayern Ludwigs II, da dazu auch sehr viele Zusammenhänge hergestellt werden, und über eigentliche Handlungsräume und -zeiten wage ich nicht zu spekulieren.

Nix für ungut,
Helmut
(hupf)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.11.08 14:35.
Re: Der Weg zum Glück
12. November 2008 14:58
Formulierungen wie "in gutem Sinne enttäuscht", "angenehm enttäuscht" u.v.a. habe ich halt schon oft gehört, gelesen, gesagt. Meistens ist "enttäuscht" eher negativ besetzt, schon klar, aber was ist das schon, meistens ...

Quote

wüsstest Du vielleicht wie ich meinen Satz gemeint habe

Ich weiß nicht ob ich weiß was Du gemeint hast, aber ich weiß was da stand, nämlich daß Kaffebohnen gut für frischen Atem sein sollen. Und dazu habe ich mich geäußert. Bzw., zu Lehrreichem bei Karl May. Manchmal ist es ganz gut daß nicht jeder immer weiß wie was [auch] gemeint ist; mit solchen Sachen lassen sich manchmal recht reizvolle Spielereien betreiben.

Quote

würdest vielleicht Deine für andere Beiträge in anderen Foren gemünzten Sätzen nicht hier anbringen

Ich münze weder für noch auf, sondern halte ggf. aus gutem Grund einfach mal die Klappe (auch ich bin lernfähig ...) und lasse gültige Dinge (die auch ohne Bezug klar sind) ggf. dann und wann mal irgendwo einfließen.

Quote

nicht mehr so ganz verständlich

Wie sagte Herr K. 1976 in Karlsruhe, "Das hat bei uns noch nie eine Rolle gespielt"; einen meiner längsten und "arbeitsintensivsten" Forenbeiträge (in einem anderen Forum, es ging sozusagen ums Wetter) hat bis heute vermutlich kein Mensch verstanden, aber es hat mir großen Spaß gemacht und tut es jetzt noch, wenn ich daran denke. Ich weiß, Admina, das ist nicht der Sinn der Sache. Ich bin auch gleich fertig.

grinning smiley

Quote

im übrigen spielt der "Weg zum Glück" zumindest vordergründig durchaus im Bayern Ludwigs II, da dazu auch sehr viele Zusammenhänge hergestellt werden

Das steht außer Zweifel. Aber wenn in einer modernen Verfilmung statt Ludwig II z.B. der gute alte (naja ...) Franz Josef da herumgeistern würde, Silberbauer und Peitschenmüller Konzernchefs wären und die Leut' auf Motorrädern fahren und in Internetcafes sitzen würden, würde mich das nicht weiter stören, solange der "Geist" Mays gewahrt bleibt, will sagen: die Personen, Problematiken usw. so herüberkommen würden wie er sie schildert, und das ist eben nicht abhängig von Äußerlichkeiten und zeitlgeschichtlichem Rahmen. Wenn umgekehrt eine Verfilmung "originalgetreu" wäre, aber da nur hirnlose Schönlinge und -linginnen herumhampeln würden, die gar nicht mehr wissen wie und was das alles ist was Karl May da beschrieben hat, wäre es fatal ... So etwas (letzteres) gibt es freilich, reichlich, wenn auch nicht gerade beim Bayern-Roman.

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(Internetcafes zu Zeiten von FJS sind ein Anachronismus, merke ich gerade. Aber auch das macht nichts.)



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.11.08 18:24.
Re: Der Weg zum Glück
12. November 2008 15:18
Um mindestens eins aufzuklären:

Ihr Atem fächelte seine Wange. Dieser Hauch hatte etwas gelind Aromatisches. Wäre Anton ein Kenner gewesen, so hätte er sofort erkannt, daß die Dame geröstete Kaffeebohnen gekaut hatte, was man doch nur thut, um einen üblen Atem zu maskieren. In seinem Rausche aber war es ihm, als ob dieser Hauch ihre Seele sei, welche zu ihm überfluthe, um nun die seinige hinüber zu locken auf Nimmer=, Nimmerwiederkehr.

(S.964)
(Diese gesamte Szene ist im übrigen die einzige, die dem Kapitel seinen Namen "Die Sirene", der hier auch erwähnt wird, gibt.)

Daraus wird, so finde ich, klar, dass die erste Bemerkung von mir eben nur satirisch gemeint sein konnte.
Ich bitte meine häufig auftretende Ungeschicklichkeit solche Dinge klarer zu machen, zu entschuldigen. Wie ich schon öfters geschrieben habe, werden meine eigentlich zu kurzen Bemerkungen häufig erst durch (auch mehrmaliges) Nachfragen klarer.Es würde mich daher freuen, wenn solche Nachfragen häufiger kämen.

Helmut
Re: Der Weg zum Glück
12. November 2008 15:56
Schöne Szene. Bei May finde ich die Stelle übrigens kaum satirisch (hast Du auch nicht gesagt, ich weiß), da ist es für mein Empfinden ganz ernst, auch wenn es ein bisschen ironisch gebrochen sein mag. Nämlich: der Anton hätte sich hüten sollen, sich einwickeln zu lassen von dieser ‚Seele’, bzw., es wäre besser für ihn gewesen, es nicht zu tun, er hätte merken sollen (wenn er denn dazu in der Lage gewesen wäre), dass die Frische (auch im übertragenen Sinne) künstlich erzeugt ist und die Seele der Dame eigentlich ganz anders riecht. Sozusagen. (Auch ich benutze gern ‚schiefe Bilder’).

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Aber warum soll man denn nachfragen wie was nun jeweils gerade gemeint ist wenn man zu einem Zitat Stellung bezieht. Jeder sieht sowieso alles anders. Zehn Leute, zehn Wahrnehmungen.
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