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Der Weg zum Glück

geschrieben von Helmut 
Re: Der Weg zum Glück
12. November 2008 17:23
Das meinte ich übrigens, mit meiner vorherigen anderen Bemerkung, dass dieses Verhalten nicht zu dem Bild Antons, das sich bis hierhin bei mir gebildet hat, passt.
Bisher war er für mich ein zwar jähzornig, hartköpfig und -herzig, aber doch auch gutmütig. Und jetzt geht er so begierig auf das berechnende Werben dieser "Sirene" ein, das passt für mich nicht.

Helmut
Re: Der Weg zum Glück
12. November 2008 17:35
Also ich find' das paßt scho[n]. Ich kenne einen, der ist auch jähzornig, hartköpfig und -herzig, & gutmütig (gelegentlich muß (bzw. kann) man schon mal auch gegen gängige Regeln vor "und" bzw. "&" ein Komma machen, zwecks Separierens bzw. Pauserls). Und dem hätte das früher auch passieren können.

grinning smiley



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.11.08 17:38.
Re: Der Weg zum Glück
13. November 2008 11:08
Übrigens ist
Quote

Also ich find' das paßt scho[n]
der zweithöchste Ausbruch der Lobeshymne eines Franken, und auch im (wirklichen, nicht-mayschen) Bairisch soll es, wie ich hörte, ähnlich sein.
Und das hast Du doch sicher nicht gemeint, oder?

Helmut
Re: Der Weg zum Glück
13. November 2008 11:55
Das zweithöchste Lob hiesiger Gegend scheint nach den unmaßgeblichen Beobachtungen eines Zugereisten "Da kannze nich meckan" zu sein.
Wollt's nur mal gesagt haben grinning smiley
Und nu weiter im Film.
Re: Der Weg zum Glück
13. November 2008 12:36
Mir ging es darum daß es (m.E.) scho[n] paßt, weil es hieß, es passe (D.E.) nicht.

Das (angedeutete) Weglassen des n war eine kleine Referenz an Bayern oder auch die dortige Sprache ohne besondere Berücksichtigung der regionalen nebenbedeutigen "Besetzung" dieser Formulierung.

winking smiley



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.11.08 16:52.
Re: Der Weg zum Glück
14. November 2008 11:36
Auch ich will der Lehrer meiner Leser sein, indem ich zum Verständnis der regionalen Unterschiede unserer (teilweise) gemeinsamen Sprache beitrage.
winking smiley

Die höchste Lobesäußerung eines Franken ist, nochmals übrigens, größtenteils nicht verbal, die dabei ausgestoßenen Laute könnte man vielleicht mit "hmm, jaa" manchmal auch mit "durchaus" wiedergeben.


Helmut
Re: Der Weg zum Glück
18. November 2008 09:04
7. Kapitel Seelenstimmen

In diesem Kapitel wird die Herkunft Fexens aufgeklärt, und die Verbrechen des Thalmüllers und Silberbauern geschildert.

Letztere geschahen zum großen Teil auch im (exotischen) Ausland.
(Ich habe dabei immer auf die Erlebnisse in der Türkei gewartet, bis mir nach einiger Zeit klar wurde, dass die Walachei (wo dies alles stattfand) damals zum osmanischen Reich gehörte und deshalb hier ab und zu als Teil der Türkei bezeichnet wird.)
Erstaunlich finde ich, dass May sich da - wie er es in den anderen Kolportageromanen tat - sich eine Rückblende, mit "exotischem" Flair und Geschehen versagte. Er hat dies alles nur durch Briefe und Erzählungen beschrieben.
Dass allerdings die Personen in der rumänischen Wallachei alle ungarische Namen trugen finde ich auch merkwürdig. Andererseits zeigt sich auch hier (wie auch schon erstaunlicherweise im Orientzyklus), dass ihm wohl im Bezug auf den Balkan seine sonst so großen Recherchefähigkeiten versagten. Man mag hier einwenden, dass dies ja für den geschilderten Roman keinerlei Bedeutung hat, da May ja in Wahrheit sowieso immer Vorgänge in nicht-geographischen Gegenden schildert. Aber wenn man, wie ich und ein guter Teil meiner "Generation", von Karl May und nur von ihm, wesentliches über den Orient, den Islam, die Unterschiede zwischen Sunniten und Schiiten, die Kurden und viel anderes gelernt hat; und feststellen kann, dass all dies auch und gerade heute noch erstaunlich richtig und aktuell ist, so ist es eben sehr enttäuschend, dass andere seiner geograpischen und ethnischen Schilderungen einfach falsch sind.
Schlimmer wird dies dann noch im nächsten Kapitel, wo Böhmen von Bayern aus gerade jenseits der Alpen liegt. Dies kann man ja durch einen einfachen Blick auf eine Landkarte falsifizieren.



"Dera Bankier, von dem sie alle Vierteljahren ihr Geld erhalten hat, der hat einen großen Bankerotten macht, und nun erhält sie all ihr Lebtag keinen einzigen Heller mehr."

(S. 1031)
Dies ist auch heute wieder erschreckend aktuell geworden.


"Dein armer unschuldiger Vater überstand eine lange, schwere Gefängnisstrafe. Nach seiner Entlassung wollte keine Mensch etwas von ihm wissen. Leute, welche sich früher seine besten Freunde genannt hatten, spuckten nun vor ihm aus;..."

(S. 1035)
Hier geht es wieder (hintergründig) um Mays eigene leidvolle Erfahrung.


Der Ausruf Mutter, Mutter, warum hast Du das gethan! erinnert an Mays zweispältiges Verhältnis zu seiner Mutter, wie es z.B. bei Wollschläger geschildert wird.



"Eine gebildete Dame sollte sich nie in ein Frauencoupée setzen. Entweder hocken die Insassinen stolz und wortlos in ihern Ecken, gönnen einander kein freundliches Wort und mustern einander mit verstohlen sein sollenden und dennoch sehr gut an den Mann gebrachten verächtlichen Blicken, oder sie geben sich im graden Gegentheile einer überlebhaften Unterhaltung hin, welche eigentlich nur den Namen Schnatterei verdient und den einzigen Zweck verfolgt, dem lieben Nächsten das letzte Zipfelchen seiner Ehre abzuzwicken."


So lässt er (auf S. 1120) Franza von Stauffen über ihre Geschlechtsgenossinnen lästern, und beschreibt wohl eher in Wahrheit eine der vielen zu dieser Zeit stattfindenen weiblichen Kaffekränzchen Emmas.
Dazu passend auch die Bemerkung

"Ja, das Weibsvolk ist voller Neugierden wie das Meer voller Heringen!"

des Wurzelsepp (S. 1142), der sich hier auch mal wieder als "Aushilfs-Hobbel-Frank" gibt.


Auch der Ausruf
Vatern, Du bist nicht immer so zu mir gwest, wies hätt sein können, und daum bin ich Dir lieber fern blieben. Abern mein Vatern bist doch, und ich bin Dein Kind.
hätte May selbst ausstoßen können.


Auf Seite 1230 rutscht ihm dann noch statt "Hohenwald" das verräterischere Hohenthal durch.



Und dann hätte ich ja gerne noch über die "Redlichkeiten" etwas geschrieben,
... aber ...
es kommt hier garnicht vor. Im Olms-Reprint, vermutlich der Reprint des ältesten noch existierenden Lieferungsheftes (wenn es nicht überhaupt die erste Auflage ist), also dem Exemplar das am nächsten dem Manuskript, und damit dem "Original" steht; da heisst es auf Seite 1111


"O, die Redseligkeiten" lachte er höhnisch auf. "Wer ist redlich, wer?"


Nun ist natürlich klar, dass "Redseligkeiten" hier wahrscheinlich ein Druck-, Übermittlungs- oder Schreibfehler sein muss; und deshalb haben es auch die Herausgeber der HKA korrigiert, und zwar in "Redlichkeiten".
Aber um nun darüber zu diskutieren, was wenn diese Korrektur richtig sein sollte (wofür einiges spricht, aber es ist - so viel ich weiss - nicht bewiesen, vielleicht stehen ja auch im editorischen Bericht die Gründe dafür) May damit gemeint haben könnte (genauer, ob es Singular (im von May erfundenen Dialekt) oder eben doch Plural), dass scheint mir nun doch (mehr oder weniger) müßig zu sein. Vielleicht war dies ja aus dem Manuskript zu entnehmen, oder es stand da etwas völlig anderes; vielleicht hat ja May auch wirklich "Redseligkeiten" geschrieben und auch so gemeint?


Helmut



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 18.11.08 09:09.
Re: Der Weg zum Glück
18. November 2008 10:01
Quote

Eine gebildete Dame sollte sich nie in ein Frauencoupée setzen. Entweder hocken die Insassinen stolz und wortlos in ihern Ecken, gönnen einander kein freundliches Wort und mustern einander mit verstohlen sein sollenden und dennoch sehr gut an den Mann gebrachten verächtlichen Blicken, oder sie geben sich im graden Gegentheile einer überlebhaften Unterhaltung hin, welche eigentlich nur den Namen Schnatterei verdient und den einzigen Zweck verfolgt, dem lieben Nächsten das letzte Zipfelchen seiner Ehre abzuzwicken.

So lässt er (auf S. 1120) Franza von Stauffen über ihre Geschlechtsgenossinnen lästern, und beschreibt wohl eher in Wahrheit eine der vielen zu dieser Zeit stattfindenen weiblichen Kaffekränzchen Emmas.

Solches ist auch anno 2008 noch landauf, landab allerorten zu beobachten, durchaus nicht nur in Eisenbahnen oder auf Kaffeekränzchen …

winking smiley

Quote

was wenn diese Korrektur richtig sein sollte (wofür einiges spricht, aber es ist - so viel ich weiss - nicht bewiesen, vielleicht stehen ja auch im editorischen Bericht die Gründe dafür) May damit gemeint haben könnte (genauer, ob es Singular (im von May erfundenen Dialekt) oder eben doch Plural), dass scheint mir nun doch (mehr oder weniger) müßig zu sein.

Im editorischen Bericht stehen die Gründe meines Wissens nicht, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt. Was May damit gemeint haben könnte, ist in etwa so etwas wie „O die Werte“, „O die Illusionen“ usw. usf., der Silberbauer, der an nichts mehr glaubt (an das eine oder andere schon noch, aber eben nicht mehr an Werte und Illusionen) gibt seine gallige innerliche wegwerfende Handbewegung im Plural kund, sieben auf einen Streich, sozusagen. Für mein Empfinden, ganz individuell. Bekanntlich empfinden ja zehn Leute beim Lesen eines Textes zehn verschiedene Dinge, die sich durchaus ähneln können, oder eben auch nicht, je nachdem. (Ich hab’ übrigens beim Lesen der HKA da gar nicht groß drüber nachgedacht sondern das einfach so nebenbei zur Kenntnis genommen; erst als ich woanders dann „Redlichkeit“ las habe ich spontan schmunzeln müssen und gedacht, da wollte wieder einer ganz schlau sein, aber worum es ging, das hat er nicht gemerkt).

Müßig, je nun … andere unterhalten sich stunden-, tage-, wochen- (usw., ad lib. bzw. ad inf.) lang über Jahreszahlen, Schreibweisen, geschichtliche oder geographische Einzelheiten usw. usf., was mich persönlich normalerweise nicht für fünf Cent interessiert, dafür könnte wiederum ich mich stunden-, tage- (usw., s.o.) über diese „Redlichkeiten“, oder z.B. (auch aus dem „Weg zum Glück“) das Gegensatzpaar vinum bonum und Aeppelpäppel (nämlich das, wofür das steht, nämlich sozusagen geistige Zustände oder auch Bewußtseinszustände, in etwa das, was Hesse mit den Worten „Auf Kosten der Intensität also erreicht er Erhaltung und Sicherheit, statt Gottbesessenheit erntet er Gewissensruhe, statt Lust Behagen, statt Freiheit Bequemlichkeit, statt tödlicher Glut eine angenehme Temperatur“ ausdrückte; das Zitat ist mir gerade auf dem Klo eingefallen, und ich habe gedacht, warum ist es mir damals nicht eingefallen, dann hätte ich vielleicht gleich besser erklären können was ich meine) u.v.a. unterhalten, während es zig (Hüstel) Leute geben mag, die so etwas nun überhaupt nicht interessiert oder die es für Unsinn, Psychogesülze, dummes Zeug, durchgeknalltes Geschwurbel oder was auch immer halten. Jeder wie er mag. Und das kann sogar ganz ohne Anfeindung gehen, wie uns das eine oder andere aktuelle Beispiel (wer ruft …) lehren mag (leider gibt es auch andere …)

Quote

oder es stand da etwas völlig anderen

Das May-Bayerisch oder auch Bairisch färbt schon ab …

winking smiley

Quote

vielleicht hat ja May auch wirklich "Redseligkeiten" geschrieben und auch so gemeint?

Da er manchmal durchaus schon mal temporär einen „an der Platter“ (erläuter: monnemerisch [mannheimerisch]; "er hat einen an der Platter" = in etwa "der spinnt wohl"winking smiley hatte, ist auch das nicht völlig auszuschließen … Oder „O die Rechthaberei[en]“, auch das könnte gemeint gewesen sein …(Mißverständnisvermeidungshelfzusatz: das soll unter anderem durchaus auch an die eigene Adresse gehen)

winking smiley



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 18.11.08 10:42.
Re: Der Weg zum Glück
18. November 2008 16:42
Auffallend war für mich hier noch, wie äußerst positiv May den Assessor und andere Amts- und Würdenträger schildert.
Seine "Abrechnung" mit der "deutschen Justiz" hat er wohl doch (aus gutem Grund?) in die Exotik, insbesondere in den Orient verschoben. Zu dem Schluss könnte man fast kommen, wenn es nicht doch auch Gegenbeispiele gäbe.

Helmut
Re: Der Weg zum Glück
29. November 2008 11:37
8. Kapitel Zweimal gerettet.

Das Kapitel liest sich in großen Teilen wie eine Analogie zur Geschichte des Wasserfex, aber auch wie eine Dorfgeschichte (ich denke da insbes. an den "Waldkönig"winking smiley
Es spielt in Böhmen, Bayern und Wien.
Da dieses Böhmen hier am Fuße der bayerischen Alpen liegt, kann es sich ja nur um ein fiktives Böhmen handeln.
Diese geographische Absonderheit verwundert mich aus mehreren Gründen:
1. wusste May ja wohl sehr genau wo und wie Böhmen liegt, es war ja auch Nachbarstaat von Sachsen und er war schon öfters dort.
2. Er hat auch hier so vollkommen seine Rolle als "Lehrer seiner Leser" abgelegt. In dieser Rolle hat er ja z.B. in seinen Jugenderzählungen (aber auch den Reiseerzählungen und den Kolportageromanwen (Waldröschen u.a.) gerade auch und insbesondere in Geographie, Geschichte und Völkerkunde (immer aus damaliger Sicht) geglänzt. Dies hatte er wohl seinen sehr guten Recherchefähigkeiten zu verdanken. Warum er gerade hier (wo ja wohl auch ein Teil seiner Leser sich auskannte) darauf verzichtet, erschliesst sich mir nicht.

In den "bayerischen" Teilen der Geschichten, wandelt Ludwig II als Nachfahre Harun al Raschids (wie K. Hofmann im Werkartikel zum WzG schreibt) durch seine Lande und verstreut hie und da etwas Glück und Wohlstand, aber dazu später im einzelnen. Erstaunlich ist auch wieder, dass ihn zwar fast jeder ihn irgendwann erkennt, aber nichts ausplaudert, denn er ist ja inkognito.

In diesem Kapitel gibt es zwar im Gegensatz zum Titel sehr viele Rettungen, aber der Ludwig (II) wird vom Ludwig H. eben genau zweimal gerettet, und das ist ja nunmal wichtiger als all die anderen Petitessen.

Jetzt wieder einige Zitate


"Für einen jeden verständigen Mann ist das Lesen eine Anstrengung. Das muß man den geistlichen Herren und den Schulmeistern überlassen."

(S. 1249)
Wie wahr, wie wahr.

Anschließend gibt es dann wieder Ingredenzien zu lesen, die durchaus in den Kreis des verlornen Sohns passen würden. Da ist man dem "Juden" mit seinen "Wucherzinsen" in die Hände gefallen (schlimm diese Vorurteile!), und hat die (in schöner Regelmäßigkeit auftauchende) Taschenuhr beim Pfandleiher versetzt.



Der Kerl schien einer jener Slavonier zu sein, wie sie als Drahtbinder und Blechhändler überall herumziehen.
...
Als er den Bauern erblickte, kam er schneller herbei, griff an seinen Hut und grüßte in dem zechisch-slowenischen Idiome: ...

(S. 1281)
Was denn nun Herr May, Slavonier, Tscheche oder gar Slowenier?
Lass das nur nicht den Sascha Avenarius lesen, denn dieser Kerl (im Roman) gibt ja vor ein Slowake zu sein. (In Wahrheit ist das mal wieder ein Angehöriger einer mobilen Minorität.)


"Sollten Sie gar einen König dermorden wollen. Aberst hier in Österrech gibts halt keinen. Sollten Sie meinen König meinen.?..."

So ergibt sich ab ca. S. 1320 die erste Rettung Luwigs durch Ludwig.
(Wenn man spitzfindig und Erbsenzähler wäre, könnte man ja noch anfügen, dass es in Österreich eben doch einen (oder sogar zwei) König gab, denn die Habsburger waren ja zu dieser Zeit auch noch Könige von Böhmen und von Ungarn.)


Die Dorfkapelle, die "Wenzelei" ist so wie ich finde großartig und anschaulich geschildert, es fallen mir dazu 2 Musikstücke ein; einmal der "musikalische Spaß" (das sog. Dorfmusikkanten Sextett) und die "Ouvertüre zum "Fliegenden Holländer", wie sie eine schlechte Kurkapelle morgens um 7 am Brunnen vom Blatt spielt, für Streichquartett" von Paul Hindemith. Beide Komponisten waren ja selbst auch ausführende Musiker.



Pasta!

(S. 1345)



Es gibt in diesem Kapitel zweimal mehr oder weniger heftige Auseinandersetzungen zwischen Vätern und ihren Kindern (hier hauptsächlich Töchter).
Dies war wohl auch für May die Zeit der "Abrechnung" (positiv und negativ) mit seinem eigenem Vater. Wenn man nämlich auf die parallel ablaufende Echtzeit blickt, so hat er dies wohl alles in der Zeit zwischen dem Schlaganfall seines Vaters und dessen Todes geschrieben.


Nervend sind (für mich zumindest) so lange Ansätze für Liebeserklärungen wie sie z.B. auf Seite 1395ff stehen. Dies ist wohl doch einfach nur "Zeilenschinderei".



"Held, Du bist wirklich das, als was der Sepp Dich mir bezeichnete, ein guter braver Bayer. ... Hier nimm meine Hand. Es passiert nur Wenigen dieser Auszeichnung sich rühmen zu dürfen. Der Händedruck Deines Königs mag Dir in Erinnerung bleiben für Dein ganzes Leben; er sei Dir die beste Belohnung für Deine Tapferkeit und Treue, ebenso für das was ich dir heute wieder zu danken habe, und der Gedanke an den gegenwärtigen Augenblick schwebe immer vor Dir wie ein Engel, ...

Er hat ihm dem König ja auch nur gerade das Leben gerettet, und antwortet darauf

"Mein König und mein Herr, ... ich möchte vor Wonne und Leid gleich sterben...

darauf wieder der König

"Nein, ein solches Opfer verlange ich nicht von Dir"

Wie großzügig! Das alles, ich gebe zu tendenziös leicht von mir verkürzt, auf Seite 1478.

Später wird sich dann zeigen, wer dieser König Ludwig II in Wahrheit ist, nämlich ein Vorgänger z.B. des Mayschen Schah von Persiens im Silberlöwen und wahrscheinlich auch des Mir von Dschinnistans.
Mit anderen Worten, auch diese Majestät, dieser bayrische König vertritt oder spielt hier Gott selbst (nur am Ende wird dies anders werden).

Dies zeigt sich etwa in der Szene, wo er einem notleidendem Dorf als Abhilfe für ihre Not eine neue Kirche stiftet (da werden die Hungernden wieder was zu Essen haben!), und der hochwürdigste Herr Pfarrer in Dankbarkeit vor ihm auf die Knie fällt.
Man kann da zwar einwenden (hat auch schon mal jemand), dass ja dem Dorf auch durch den Bau an sich geholfen wird, aber trotzdem.


Helmut



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 29.11.08 11:53.
Re: Der Weg zum Glück
06. Dezember 2008 14:40
9. Kapitel Der Samiel

Dieser Teil ist eine eigentlich vollständig in sich abgeschlossene Geschichte, die vom "Rest" getrennt sein könnte. Es gibt nur sehr wenig Berührungspunkte, eigentlich nur zwei der handelnden Personen, nämlich der Wurzelsepp und Ludwig II.
Zur "Charakterisierung" vom Letzerem noch folgendes, zu dem im vorherigen Kapitel von mir angeführten kommt noch, dass er (mit Hilfe des ihm ständig begleitenden Medicinalraths nicht nur Lahme (Gelähmte) wieder gehend, sondern auch Blinde (Geblendete) wieder sehend machen kann. Bei letzerem fällt einem (mir) natürlich auch die frühkindliche Erblindung und Heilung Mays ein, sei es nun wahr oder nur gut erzählt. Auch eine andere Deutung gibt es hierfür noch, dazu aber gleich.

Zu diesem Kapitel gibt es Vorläufer, so schrieb May eine Dorfgeschichte gleichen Namens und teilw. ähnlichen Inhalts, auch andere Erzählungen wie z.B. "der Waldschwarze" klingen an. Das Ende, mit dem "mechanistischen 'wie Du mir, so ich Dir'" erinnert (leider) auch an manche der "Marienkalendergeschichten".

Eine - wie ich finde - wesentliche Rolle spielt hier die Dreiecksgeschichte Kronenbauer-Kronenbäuerin-Förster (auch noch zum "Viereck" erweitert durch den Bastian). Eine ähnliche Konstellation gibt es ja auch im Schlusskapitel der "Deutschen Herzen - Deutschen Helden". Da diese beiden Kapitel kurz nacheinander im Abstand von max. 2 Monaten erschienen sind (das Schreiben der beiden Kapitel kann ja durchaus zeitlich noch näher beianeinderliegen) werden sie wohl auch gleichen "Ursprungs" sein. D.h. May schreibt hier über seine damaligen Eheprobleme.
Dass dabei der Ehemann (Kronenbauer) blind ist und ihm erst durch die Intervention eines "unbeteiligten Dritten" die "Augen geöffnet" werden, auch das soll hin und wieder in Wahrheit vorkommen.
Die "männliche Eigenschaft" der Ehefrau, die ja den Samiel spielt, erinnert (mich) an einige der Kostümbilder, auf denen Emma ja als Mann auftritt, aber auch an einige Sexualpraktiken, die May ihr in der Pollmer-Studie zuschreibt.



Wahrlich, Diejenigen, welche sie ein schönes Weib nannten, hatten sehr Recht! Vielleicht war sie eine der schönsten Frauen Bayerns, und das will was sagen, wie Jedermann weiß.

(S. 1770)
(was wird das schon sagen wollen?)
Aber als Beschreibung Emmas ist dies natürlich schon sehr beredt (wenn man Sachsen statt Bayern einsetzt).


Da hörte er das leise, unterdrückte Dicken einer Uhr.

Da (S. 1912) ist sie also wieder die verräterische Taschenuhr! (Diesmal allerdings eine richtig sächsiche, denn sie tickt anders, sie dickt nämlich.) Auch die Pfeife und/oder die Zigarrenspitze ist hier nicht weit,

Er nahm also seinen kurzen Tabaksstummel heraus, that, als ob er ihn stopfen wolle und ließ ihn fallen.




Wie der Physiker nachgewiesen hat, daß der Körper des Mondes einen unverkennbaren und sogar bedeutenden Einfluß auf die Erde ausübt, ...
so kann der Psycholog nicht leugnen, daß der Mond auf Geist und Gemüth den Menschen eine ganz unverkennbare Wirkung äußert.

Da (S. 1962) ist also auch der "geograpische Prediger" May wieder.



"Ich hatt eine Großmuttern, die war gar fromm. Sie hat mich erzogen bis ich aus dera Schulen kommen bin; ... Sie hat ein gar tiefsinnig Gemüth habt und mir Mancherlei verzählt von denen Menschen auf dera Erd, denen Geistern in dera Luft und denen Engeln und Seligen im Himmel droben."

Auch das (S. 1963) wieder eine Geschichte aus dem "ächten Leben" des kleinen Karls.



Und noch ein (für mich) neuer (kompensierter) Saxonismus

"Weig aus!"

(S. 2003)


Der Wurzelsepp ist und bleibt eben ein "Macho" (würde man heute sagen), denn

"Weil sie halt eben nur ein Weib ist. Und wenn ein Frauenzimmern noch so klug ist, so hat sie doch lange Haare und kurzen Verstand. Einen Fehlern macht sie stets."

(S. 2011)



Und noch einmal (S. 2094) (mit einem anderen Schreibfehler)

Auf demselben tikte die kostbare Uhr.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 06.12.08 14:45.
Re: Der Weg zum Glück
06. Dezember 2008 15:18
Quote

Diesmal allerdings eine richtig sächsiche, denn sie tickt anders, sie dickt nämlich

grinning smiley

Wo er Recht hat, hat er Recht, der Sepp ... aber er ist ein Chauvi, kein Macho.

winking smiley
Re: Der Weg zum Glück
12. Dezember 2008 17:24
Ach übrigens, dieses Schimpfwort war noch "viel schlimmer", in den 1970'ern ist es als mcp (male chauvinist pig) aus Amerika zu uns herüber gekommen.

Helmut
Re: Der Weg zum Glück
12. Dezember 2008 17:55
Aber trotzdem weiter im Text.

10. Kapitel Herzenskrämpfe.

Wir werden wieder in den Hauptstrang des Romans zurückgeführt.
Aber, o Schreck, (fast) alles ist plötzlich anders geworden.
Aus der Muhrenleni, Mureno ist die äußerst erfolgreiche, geachtete und vornehme Sängerin Madame Ubertinka geworden. Ubertinka kommt von dem 2. Teil ihres Nachnamens (Berghuber), und das hätte doch der Krikelanton erkennen müssen, sagt sie. Wie denn das, hab's ja nicht mal ich so rausgefunden.
Aus dem "Wasserfex" wurde der Baron Curty von Gulyan.
Sogar der Wurzelsepp kommt auf einmal als Hauptmann a.D. Joseph von Brendel aus Bayern daher und benimmt sich auch als solcher; bei ihm ist's dann allerdings nur Verkleidung, in Wahrheit ist er wohl als eine Art Geheimpolizist unterwegs.
Die "Silbermartha" ist jetzt einfaches Dienstmädchen.

Und, was ich mir bis zum Schluss aufgespart habe, aus dem "Krikel-Anton" wurde der Sänger Guiseppe Criquolini (warum eigentlich nicht Antonio, frage ich mich da). Und dieser Sänger ist einerseits reich geworden, aber im Gegensatz dazu moralisch auf den absoluten Nullpunkt (also -273 Grad Celsius) gesunken.
Und dieses Absinken ist meiner (unmaßgeblichen) Meinung nach einfach so nicht glaubhaft und glaubwürdig. Wenn man sich noch einigermaßen an den Beginn des Romans erinnert, wie er da seine Eltern umsorgt, und nun soll er plötzlich reich geworden, sie verhungern lassen? Nein, auch das widerspricht eigentlich völlig jeder (genauer meiner) Lebenserfahrung.
Ganz abgesehen davon, dass wie ich mich noch erinnere, schon bei meiner ersten Lektüre (vor etwa 20 Jahren) bei dieser Liebesgeschichte geradezu ein "Happy End" herbeigesehnt habe, dass mir schon damals versagt blieb, und auch jetzt wieder in äußerst weite Ferne gerückt ist. Ich war da offensichtlich nicht allein, denn Staberow hat bereits für die Fischer-Version schon dieses Happy End herbei geschrieben (oder war's erst später?).

Also, irgendwas muss da wohl bei May "passiert" sein, um diese ziemlich vollkommene Umwandlung der Hauptfiguren zu verursachen. Vielleicht kommen wir da ja noch dahinter.



"Er
(der Elephantenhans) ist nach Egypten, nach dera Hauptstadt Kairo, wo eine gute Luft sein soll, daß Jedermann, der auf dera Brust leidet, schnell gesund werden kann."

(S. 2147)
Das glaube ich nicht mal, dass das mit der "guten Luft" in Kairo damals so gewesen ist.



"Das Weib soll stets sanft und mild sein, lieb und versöhnlich, freundlich und nachgebend. Dera Mann aber muß stolz und fest sein, selbst wenn er ein Wenig hart ist, so vergibt man ihm das."

sagt (S. 2149) ausgerechnet die Leni, die sich doch da nicht im mindesten daran hält. winking smiley


Auf S. 2180 gibts dann noch den Aeppelpäppel und auf S. 2222 die berühmte Insel Herrenhörmsee


Zu den vielen vorkommenden Liedern/Gedichten äußere ich mich vorsichtshalber nicht, dann das ist mir schon vor fast 5o Jahren in der Schule klargemacht worden, dass ich davon nichgt das Geringste verstehe.


Helmut



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.12.08 18:19.
Re: Der Weg zum Glück
12. Dezember 2008 18:15
Ob schlimmer oder nicht, das bleibt sich gleich, ein Macho ist etwas anderes als ein Chauvi, und das, was da vom Sepp zitiert wurde, geht in Richtung Chauvi und nicht in Richtung Macho.

Ich wüßte ja gern, ob es wirklich „Herzenskrämpfe“ heißen sollte, oder eher ohne r, das habe ich mich seinerzeit beim Lesen des HKA-Bandes schon gefragt.

Hubertinka wäre zu einfach gewesen, also lassen wir das h weg, dann kriegt es auch noch einen französischen Touch … ganz schön albern, der May.

Giuseppe vielleicht wegen dem gleichnamigen Verdi … der May hat doch immer so um sieben Ecken gedacht, warum nicht auch da.

Lebenserfahrung, je nun … Ich habe das auch nicht alles erlebt was May so beschreibt, kann es aber nachvollziehen (bzw.: mir vorstellen)… Reich werden aus kleinen Verhältnissen führt nicht unbedingt zur Steigerung der Warmherzigkeit, ich denke da z.B. an einen ehemaligen Tennisprofi (oder hundert andere; das Beispiel Claire Zachanassian hinkt leider, schade, ich hätte sie gern mal erwähnt, nach dem Film neulich), und ein Fußballspieler (ich weiß nicht mehr wer es war, ist schon länger her) fällt mir ein, der sagte im Fersehinterview lächelnd und mit sich und der Welt zufrieden „Mutter geht putzen“ …

Das Happy oder auch dicke End kam, wenn ich mich jetzt nicht vertue, nicht mit Staberow, sondern sozusagen in grün.

Von den Verwandlungen der Figuren finde ich nur die des Sepp unrealistisch, aber das ist Ansichtssache. Ich schreib’ das vorsichtshalber mal dazu, sonst gibt’s wieder Zoff ..

winking smiley



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.12.08 18:26.
Re: Der Weg zum Glück
12. Dezember 2008 18:28
Rüdiger schrieb:
-------------------------------------------------------
> Ob schlimmer oder nicht, das bleibt sich gleich,
> ein Macho ist etwas anderes als ein Chauvi, und
> das, was da vom Sepp zitiert wurde, geht in
> Richtung Chauvi und nicht in Richtung Macho.

Ich habe doch nur ausführlicher beschrieben, wo das Wort Chauvi genauer herkommt.

>
> Hubertinka wäre zu einfach gewesen, also lassen
> wir das h weg, dann kriegt es auch noch einen
> französischen Touch … ganz schön albern, der May.
>

Italienisch, denn die Franzosen hätten natürlich das "H" stehen lassen, obwohl sie es auch nicht sprechen.

>
> Das Happy oder auch dicke End kam, wenn ich mich
> jetzt nicht vertue, nicht mit Staberow, sondern
> sozusagen in grün.
>

Da haben wir beide gleichermaßen recht (genauer Du ein wenig mehr) wie unrecht, es war nämlich die "Vaterhaus"-Version (die nie als Buch erschienen ist), die als erste ein Happy End hatte.


Helmut
Re: Der Weg zum Glück
12. Dezember 2008 18:33
Quote

Italienisch, denn die Franzosen hätten natürlich das "H" stehen lassen, obwohl sie es auch nicht sprechen.

Das wußte doch May nicht ... (genauer: vielleicht wußte er es, aber er war bekanntlich gelegentlich etwas wirr im Kopf, zerstreut könnte man es auch nennen)

grinning smiley
Re: Der Weg zum Glück
13. Dezember 2008 11:11
Quote

Ich wüßte ja gern, ob es wirklich „Herzenskrämpfe“ heißen sollte, oder eher ohne r, das habe ich mich seinerzeit beim Lesen des HKA-Bandes schon gefragt.

Herzenskämpfe würde sicher besser passen, denn das Kapitel könnte ja auch heißen:
Die alte und die neue Liebe der Muhrenleni (Signora Ubertinka)

Die Wandlung des Krikelanton finde ich auch schon deshalb "merkwürdig", weil er in diesem Kapitel so "holzschnittartig" und nur böse dargestellt wird; während May auch (und gerade) hier im WzG die "echten Bösewichter" (wie z.B. den Silberbauer) sehr viel differenzierter beschreibt und darstellt.
Daher auch meine Vermutung, dass er da ein Stück "echtes Leben" hineingeschrieben hat, und da von jemand schreibt, der ihn voll und ganz enttäuscht hat.
(So wie es natürlich auch mit dem Wurzelsepp (mit dem Abbild im echten Leben meine ich hier) war, aber dazu (vermutlich) später (in den nächsten beiden) Kapiteln mehr.)

Helmut



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.12.08 14:06.
Re: Der Weg zum Glück
13. Dezember 2008 14:06
Einen Vorteil hat dieses Kapitel auch noch:
Ludwig Wittelsbach kommt hier nicht persönlich vor, und auch keiner der sonst Allzuprominenten.


Helmut
Re: Der Weg zum Glück
13. Dezember 2008 14:21
Quote

so "holzschnittartig" und nur böse dargestellt wird;

Man könnte auch salopp sagen, er (Anton) läßt die Sau raus, die halt jeder in sich hat, als einen Anteil von vielen ... Vornehmer formuliert, die Versuchung, kennt der eine oder andere vielleicht aus der Bibel, der Teufel versucht Jesus, ist ja ein Gleichnis für das was jeder in irgendeiner Form erleben kann, aber das klingt vielleicht gleich wieder so nach Weihrauch, bleiben wir lieber bei die Sau rauslassen. Hat May (in anderer Form) auch getan, in der Renommierzeit. Daß das alles "nichts bringt", haben sie dann beide auch erfahren müssen, Anton wie May.

Quote

während May auch (und gerade) hier im WzG die "echten Bösewichter" (wie z.B. den Silberbauer) sehr viel differenzierter beschreibt und darstellt.

Was unter anderem damit zu tun haben dürfte, daß es "echte Bösewichter" oder Hundert-Prozent-Bösewichter halt nicht gibt, weder auf Erden noch bei May.

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Daher auch meine Vermutung, dass er da ein Stück "echtes Leben" hineingeschrieben hat, und da von jemand schreibt, der ihn voll und ganz enttäuscht hat.

Z.B. er selbst. Sicher mag es auch ein reales Vorbild im Außen gegeben haben, irgendein durchgeknallter Dresdener oder Leipziger Sänger vielleicht, aber Eigenanteile dürften auch wieder hineingemischt sein. Das Bildnis des "Künstlers" aus kleinen Verhältnissen als "große Nummer".
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